Cold Brew selber machen: Rezept & Anleitung

Cold Brew ist mehr als nur kalter Kaffee: Die stundenlange Ziehzeit bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank sorgt für ein völlig anderes Extraktionsergebnis als heißes Aufgießen. Wer Cold Brew selbst macht, spart sich außerdem den hohen Preis vieler Fertigprodukte aus dem Kühlregal. Dieser Artikel zeigt Schritt für Schritt, wie Cold Brew zuhause gelingt – und räumt mit einem hartnäckigen Mythos rund um Koffein und Säure auf.

Cold Brew vs. Iced Coffee: Der wichtige Unterschied

Viele verwechseln Cold Brew mit Iced Coffee, dabei sind es zwei grundverschiedene Getränke. Iced Coffee ist ganz normaler, heiß aufgebrühter Kaffee, der anschließend über Eis abgekühlt wird. Cold Brew dagegen wird von Anfang an mit kaltem Wasser extrahiert, ganz ohne Hitze – ein Prozess, der 12 bis 24 Stunden dauert. Durch die fehlende Hitze verändert sich das Extraktionsprofil deutlich: weniger Bitterstoffe, dafür ein runderer, oft leicht süßlicher Grundgeschmack. Wissenschaftlich betrachtet liegt das daran, dass bestimmte Bitterstoffe und Aromen erst bei höheren Temperaturen effizient aus dem Kaffeepulver gelöst werden, während Zucker und mildere Aromastoffe auch bei Kälte gut extrahieren.

Gut zu wissen: Der Mythos, Cold Brew enthalte grundsätzlich weniger Koffein und Säure als heißer Kaffee, hält sich hartnäckig – ist aber laut mehreren Studien so nicht haltbar. Je nach Zubereitungsmethode und Ziehzeit kann Cold Brew sogar mehr Koffein enthalten als klassisch aufgebrühter Kaffee, während sich der Säuregehalt kaum unterscheidet.

Zutaten und Ausrüstung

Für Cold Brew brauchst du nur grob gemahlenen Kaffee, kaltes Wasser und Zeit. Ein dedizierter Cold-Brew-Bereiter wie der SILBERTHAL Kaffeebereiter mit Feinfilter (1,2 l) macht das Abseihen besonders unkompliziert, da Ziehen und Filtern in einem Gefäß stattfinden. Wer erst einmal ausprobieren will, kommt auch mit einem großen Einmachglas und einem wiederverwendbaren Nussmilchbeutel als Filter günstig zum Ziel. Für die grobe Mahlung eignet sich eine Mühle mit entsprechend grober Einstellung, etwa die Rommelsbacher Kaffeemühle EKM 400. Wer keine Mühle besitzt, kann auch auf bereits grob gemahlenen French-Press-Kaffee zurückgreifen, da sich die Körnung für beide Methoden ähnelt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Für ein Cold-Brew-Konzentrat hat sich ein Verhältnis von etwa 1:8 bewährt (125 g grob gemahlener Kaffee auf 1 Liter kaltes Wasser).

Schritt Zeit Aktion
1 0:00 Grob gemahlenen Kaffee mit kaltem Wasser übergießen, umrühren
2 0:00 Abgedeckt bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank ziehen lassen
3 12–24 Std. Ziehzeit abwarten (länger = intensiver)
4 nach Ziehzeit Durch Filter oder Nussmilchbeutel abseihen
5 vor dem Trinken Konzentrat 1:1 mit Wasser, Milch oder Eis verdünnen

Wer bei Zimmertemperatur zieht, erhält meist ein intensiveres Aroma, da die Extraktion bei leicht höherer Temperatur etwas schneller verläuft. Im Kühlschrank dauert der Prozess etwas länger, dafür ist das Risiko einer unerwünschten Keimbildung bei warmem Wetter geringer, was besonders im Sommer relevant ist.

Konzentrat vs. trinkfertig: Das richtige Verhältnis

Das nach der Ziehzeit entstehende Getränk ist ein Konzentrat und wird pur meist als zu stark empfunden. Üblich ist eine Verdünnung im Verhältnis 1:1 mit Wasser, Milch oder Pflanzendrink, je nach gewünschter Stärke auch weniger. Wer es milder mag, kann auf 1:2 verdünnen. Eis sollte dabei separat hinzugefügt werden, da es beim Schmelzen selbst zur Verdünnung beiträgt und das Getränk sonst schnell wässrig wird, sobald es schmilzt.

Häufiger Fehler: Viele gehen automatisch davon aus, Cold Brew sei koffeinärmer und magenschonender als heißer Kaffee – deshalb wird er oft unverdünnt oder in großen Mengen getrunken. Tatsächlich kann das Konzentrat je nach Verhältnis sehr koffeinreich sein, und der Säuregehalt unterscheidet sich laut Studien kaum von klassisch aufgebrühtem Kaffee. Wer koffeinempfindlich ist, sollte Cold Brew genauso dosiert genießen wie normalen Kaffee.

Beliebte Cold-Brew-Varianten

Neben der klassischen Zubereitung mit Wasser gibt es mehrere beliebte Varianten: Cold Brew Tonic mischt das Konzentrat mit Tonic Water und Eis zu einem spritzigen, leicht bitteren Sommergetränk. Beim Vanille-Cold-Brew wird während der Ziehzeit eine halbe Vanilleschote mit ins Wasser gegeben, was für ein natürlich süßliches Aroma sorgt, ganz ohne zusätzlichen Zucker. Auch Milch-Cold-Brew ist beliebt: Statt Wasser wird das Konzentrat direkt mit kalter Milch oder Hafermilch verdünnt, was ein besonders cremiges, latte-artiges Ergebnis liefert. Wer experimentierfreudig ist, kann außerdem verschiedene Gewürze wie Zimt oder Kardamom während der Ziehzeit hinzufügen, die dem Cold Brew eine ganz eigene Note verleihen.

Cold Brew im Sommer: Praktische Tipps

Da Cold Brew ohnehin gekühlt getrunken wird, eignet er sich besonders gut für heiße Tage. Praktisch ist es, größere Mengen Konzentrat auf Vorrat anzusetzen und portionsweise über die Woche zu verwenden – so ist kalter Kaffee jederzeit griffbereit, ohne jedes Mal neu aufbrühen zu müssen. Für unterwegs lässt sich das fertige Getränk problemlos in einer Isolierflasche mitnehmen, da es ohnehin kalt getrunken wird und keine Wärme verliert, die den Geschmack beeinträchtigen könnte.

Haltbarkeit und Lagerung

Cold-Brew-Konzentrat hält sich im Kühlschrank luftdicht verschlossen etwa 1 bis 2 Wochen, ohne merklich an Qualität zu verlieren – deutlich länger als fertig aufgebrühter Kaffee, der schon nach wenigen Stunden abbaut. Das macht Cold Brew ideal zum Vorbereiten in größeren Mengen für die ganze Woche. Wichtig ist, das Konzentrat stets kühl und lichtgeschützt zu lagern, da Wärme und Licht Aromastoffe schneller abbauen. Manche füllen das Konzentrat auch portionsweise in Eiswürfelformen ab, um einzelne Portionen schnell auftauen oder direkt als Kaffee-Eiswürfel verwenden zu können, ohne das restliche Konzentrat zu erwärmen.

Cold Brew im Preisvergleich

Fertiger Cold Brew aus dem Kühlregal kostet je nach Marke oft 3 bis 5 Euro pro 250-Milliliter-Flasche. Selbst gemacht liegt der Preis pro Portion meist bei 30 bis 60 Cent, abhängig von der verwendeten Bohnenqualität – ein Bruchteil des Fertigpreises. Bei regelmäßigem Konsum amortisiert sich die Anschaffung eines eigenen Cold-Brew-Bereiters daher meist schon nach wenigen Wochen, zumal die Zubereitung kaum Aufwand erfordert und sich gut in den Alltag einplanen lässt: einfach abends ansetzen und am nächsten Morgen ist das Konzentrat fertig.

FAQ – Cold Brew

Wie lange sollte Cold Brew ziehen?

Zwischen 12 und 24 Stunden. Kürzere Zeiten ergeben einen milderen, längere einen intensiveren Geschmack.

Hat Cold Brew wirklich weniger Koffein?

Nein, das ist ein verbreiteter Mythos. Je nach Zubereitung kann Cold Brew genauso viel oder sogar mehr Koffein enthalten als heißer Kaffee.

Ist Cold Brew magenschonender?

Studien zeigen keinen eindeutigen Unterschied im Säuregehalt zwischen Cold Brew und heißem Kaffee. Manche Menschen empfinden ihn subjektiv als milder, wissenschaftlich klar belegt ist das aber nicht.

Kann ich Cold Brew auch warm trinken?

Ja, das Konzentrat lässt sich auch mit heißem statt kaltem Wasser verdünnen, verliert dabei aber etwas von seinem charakteristisch milden Geschmacksprofil.

Welcher Mahlgrad ist für Cold Brew richtig?

Grob, ähnlich wie bei der French Press. Feiner gemahlener Kaffee führt zu einem trüben, schwer filtrierbaren Ergebnis.

Kann ich Cold Brew mit jeder Kaffeesorte machen?

Grundsätzlich ja, wobei sich mittlere bis dunklere Röstungen oft besonders gut eignen, da sie auch bei kalter Extraktion genug Aroma abgeben.

Weiterlesen: Wer die French Press schon kennt, findet viele Parallelen in unserer French-Press-Anleitung. Welche Mühle sich für grobe Mahlung eignet, zeigt die Kaffeemühlen-Kaufberatung. Und wie viel Koffein tatsächlich in der Tasse landet, klärt unser Artikel Koffeingehalt in Kaffee.

Mehr Produktempfehlungen rund um Kaffeebohnen und Zubehör findest du gesammelt auf unserer Empfehlungsseite.


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